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Professor der Woche: Prof. Dr. Ralf Lanwehr

Damit Sie die Köpfe hinter unseren Bachelor- und Masterstudiengängen näher kennenlernen, stellen wir Ihnen jede Woche einen unserer Dozenten vor. Im Gespräch diese Woche: Prof. Dr. Ralf Lanwehr, Prorektor für Forschung und Professor für Wirtschaftspsychologie an der Business & Information Technology School in Iserlohn.
 

Hallo Ralf Lanwehr, was führte Dich an die BiTS?
Nach vielen Jahren in internationalen Beratungsprojekten habe ich eine Herausforderung in meiner westfälischen Heimat gesucht. Da die BiTS in meinem Bereich, der Wirtschaftspsychologie, einen hervorragenden Ruf hat, fiel mir die Entscheidung herzukommen sehr leicht.


Was ist Gegenstand des Studienfachs Business Psychology?

In der Wirtschaftspsychologie befassen wir uns mit dem Erleben und Verhalten von Menschen in ökonomischen Kontexten, also kurz gesagt: wer tut was weshalb.
Dieses Feld wird besonders in Deutschland immer wichtiger, weil die meisten Firmen hier entweder qualitäts- oder innovationsorientierte Strategien verfolgen. Das ist ja auch der Markenkern von „Made in Germany“ und bedeutet, dass man der globalen Konkurrenz mit guten Ideen und/oder hoher Qualität einen Schritt voraus sein muss.
Dafür benötigen wir jedoch zunehmend innovationsförderliche Mitarbeiter und Strukturen – das umfasst die Mitarbeiterführung ebenso wie die Gestaltung von Arbeitsplätzen und Entscheidungsprozessen oder den Umgang mit einer älter werdenden Belegschaft. Die Wirtschaftspsychologie bietet gute Lösungen für diese Fragen an und ist entscheidend dafür, dass Deutschland mit seiner Industrie am Ball bleibt – und das auch in Zukunft.

Was sind Deine wirtschaftspsychologischen Schwerpunkte?

Ich habe zwei Spezialisierungen: Wirtschaftspsychologie im Profifußball sowie Balance Management.
Im Profifußball kooperiere ich mit diversen Vereinen der ersten Bundesliga, beispielsweise auf dem Gebiet der Talent- und Leistungsdiagnostik. Wir entwickeln Methoden für die Identifikation und das Training von Nachwuchstalenten mittels verschiedener Geräte wie dem Footbonaut oder der Helix. Dass es im Kern wirtschaftspsychologische Methoden sind, die wir da anwenden, versteht man auf den ersten Blick häufig nicht. Die Herangehensweise bei der Messung des Potentials eines Nachwuchskickers unterscheidet sich aber nur unwesentlich von der bei Talenten von, z.B. Daimler. Das sieht aber nach außen natürlich sehr unterschiedlich aus, weil ein Fußballer nun mal andere Dinge tut als ein angehender Maschinenbauingenieur. Außerdem beraten wir Trainer und Manager von Profivereinen als Coaches in wirtschaftspsychologischen Fragen. Einige Beispiele aus Trainersicht: Wie kann ich in sportlichen Krisen gegensteuern? Wie kann ich Spieler besser persönlich einschätzen? Wie definiere ich Ziele für die Spieler? Wie löse ich Konflikte innerhalb der Mannschaft?

Andererseits beschäftige ich mich intensiv mit dem sogenannten Balance Management. Dabei geht es um die Ausgestaltung des Spagats aus Produktivität und Innovationsfähigkeit. Unternehmen sollen nämlich vorhandene Produkte zu Geld machen, gleichzeitig jedoch neue Ideen entwickeln. Sie sollen langfristige Strategien verfolgen, aber gleichzeitig gute Quartalszahlen vorweisen. Sie sollen zwar die Produktpalette diversifizieren, sich parallel aber auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Ganz ähnlich gilt das für Manager. Die sollen nämlich Zeit- und Kostenvorgaben bindend einhalten, aber zugleich innovative Konzepte einbringen. Sie sollen den Arbeitsfortschritt der Mitarbeiter kontrollieren, dabei jedoch deren individuellen Spielraum vergrößern. Kurzum: wie kombiniert man Zuckerbrot und Peitsche am besten in den Bereichen Organisation, Strategie und Führung? Internationale Giganten wie Google setzen sich damit schon seit einiger Zeit auseinander, aber in der deutschen Wirtschaft insgesamt sowie speziell in Südwestfalen sehe ich da noch großen Bedarf.

Warum lohnt sich ein Studium an der BiTS?

Ganz klar: wegen der Praxisnähe. Die Berufsorientierung ist und bleibt für Studierende ein zentrales Thema. Die BiTS bietet den Studierenden nach meinem Eindruck ein bemerkenswert breites Angebot. So umfasst das Curriculum z.B. studienübergreifend ein professionell von unserer Seite begleitetes Praxissemester. Dadurch wird bereits während des Studiums ein Grundstein für den erfolgreichen Berufseinstieg gelegt.

Des Weiteren finden an unserer Hochschule jedes Jahr diverse Formate der Berufsorientierung statt. Beispielhaft genannt seien an dieser Stelle das Praxisforum Personal, der Unternehmertag, der Consulting Day oder aktuell das von mir und Kollege Prof. Dr. Daniel Kaltofen organisierte internationale Studierendencamp in Kooperation mit SAP und 1899 Hoffenheim.

Wir bemühen uns an der BiTS außerdem darum, die Lehre im Bereich der Soft Skills systematischer zu fördern als das womöglich an anderen Hochschulen der Fall sein mag. Ein entsprechendes Programm wurde voll in den Studienverlaufsplan integriert und ist akkreditiert. Und dabei kommt es letztendlich nicht nur darauf an, das Curriculum möglichst buchstabengetreu abzuarbeiten, sondern interaktiv miteinander zu arbeiten.


Warum ist es Dir wichtig, über die Forschungs- und Lehrtätigkeit hinaus auch Ansprechpartner in Karrierefragen und Wegbereiter für den Berufseinstieg Ihrer Studierenden zu sein?

Den Sprung ins Berufsleben empfand ich selbst als spannend und richtungsweisend, hätte mir damals aber von Hochschulseite eine bessere Vorbereitung sowie eine kompetentere Begleitung gewünscht. Schließlich stellt der Schritt aus dem Studium in den Berufseinstieg die Studierenden vor entscheidende und zukunftsweisende Fragen. Deshalb versuche ich, diesbezüglich eine verlässliche Stütze zu sein.
Nach meiner Erfahrung liegt gerade in dieser Brückenfunktion der Vermittlung zwischen der Beendigung des Studiums und dem Einstieg in den Beruf für ProfessorInnen noch ein gewaltiges Potential brach. Deshalb bemühe ich mich sehr aktiv darum, diese Lücke mit den mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu schließen.


Welche Rolle spielen praxisrelevante Projekte und Wettbewerbe mit externen Partnern (Wirtschaft, Forschung, Sonstige) bei Deiner Lehrtätigkeit?

Die anwendungsorientierte Drittmittelforschung bildet einen Schwerpunkt meiner Tätigkeiten. Aktuell steuere ich drei Großprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 3 Millionen Euro. Das ist für die Wirtschaftspsychologie eine beachtliche Summe, weil sie im Gegensatz beispielsweise zu den meisten Projekten in den Ingenieurswissenschaften kaum Ausgaben für größere, technische Gerätschaften beinhaltet.

Die folgenden Projekte mit großen Budgets laufen derzeit unter meiner Leitung:
•    Kinetische Kommunikation im Change-Management (finanziert durch das BMBF)
•    Optimierung motorischer Lernprozesse im Fußball durch den Einsatz computergestützter Ballwurfmaschinen (finanziert durch die Hopp-Stiftung)
•    Rotate 2016 - Work Redesign in der Automobilindustrie (finanziert durch BMW)

Dabei bemühe ich mich in allen Fällen intensiv darum, Studierende in die Forschungsprojekte einzubinden. Im Rahmen des 2013 abgeschlossenen Projektes CLIP (Computeradaptive Leistungsdiagnstik im Profifußball, finanziert durch das BMBF) habe ich beispielsweise rund zwei Dutzend Bachelor- und Masterarbeiten betreut. Ähnliche Umfänge werden sich Stand heute auch bei den aktuell laufenden Projekten ergeben.

Parallel nominiere ich, falls angebracht, herausragende Studierende für Preise. So gewann die von mir betreute Diplomandin Fabienne Wetzel beispielsweise den mit €5.000 dotierten VPH Förderpreis in der Kategorie „Empirische Arbeiten“ mit dem Vorhaben “An Examination of Procedural Justice within the Decision Processes of Community-Based Natural Resource Management in Namibia”. Für die Durchführung der Feldstudie vor Ort in Namibia hatte ich Frau Wetzel bei der Einwerbung von zwei Förderstipendien durch den DAAD sowie die KfW unterstützt.

Erwähnenswert ist parallel vielleicht auch noch die Kooperation mit BMW. Aus einer BiTS-Masterarbeit ist mittlerweile ein großes Projekt im Bereich Job ReDesign im Werk Regensburg geworden. Der Masterand wurde nach seinem Abschluss an der BiTS direkt in das BMW-interne High-Potential-Programm übernommen und promoviert parallel unter meiner Betreuung. Das Projekt ist sowohl bei der Werksleitung wie bei den MitarbeiterInnen und dem Betriebsrat sehr positiv aufgenommen worden. Eine Erweiterung auf weitere, auch internationale Standorte erscheint bereits vor Projektende als sehr wahrscheinlich. Das war und ist wirklich klasse.

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