• Till Wendt in Schottland
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Studierender Till über sein Auslandssemester in Schottland

Journalism & Business Communication Studierender Till Wendt vom Campus Altona in Hamburg verbrachte sein Auslandssemester an der University of Stirling in Schottland. Seine unvergessenen Eindrücke und Erfahrungen ließ er uns zukommen und lässt die Auslandserfahrung noch einmal Revue passieren. 

Stirling liegt am Fuße des schottischen Hochlands - mit dem Zug eine halbe Stunde von Glasgow oder eine Dreiviertelstunde von Edinburgh entfernt.
In Stirling gibt es, soweit ich weiß, weder Papageien noch Palmen, das kam für mich wenig überraschend.
Stattdessen herrscht bei lauschigen fünf Grad eine konstante Luftfeuchtigkeit, die man in Kontinentaleuropa wohl „Nieselregen“ nennen würde, und statt „Hey, how are you doin’?“ fragen einen die meisten Taxifahrer, wenn man denn die eigene Nationalität erwähnt, nicht wie lange man bleibt, sondern wann man wieder fährt – ein feiner, kleiner Unterschied.
Allerdings macht das auch nichts. Dank des schottischen Dialekts versteht man die Eingeborenen sowieso erst kurz bevor man den Heimflug antritt.
Zu einem Mietpreis, für den man in Hamburg ein Appartement in zentraler Lage bekäme, bekommt man hier ein Zimmer im Studentenwohnheim und ein halbes Badezimmer.
Das Wohnheim ist, wenn man Glück hat, ein nagelneues Reihenhaus auf dem Campus, das man sich mit neun anderen Austauschstudenten teilt. Für die weniger Glücklichen gibt es einen Wohnkomplex in Stirlings Speckgürtel, in unweiter Nähe zur Bushaltestelle.
Die University of Stirling genießt einen guten Ruf und ist für Austauschstudenten benutzerfreundlich. Zu wählen sind drei Module, die jeweils wöchentlich zwei Vorlesungen und ein Seminar à 45 Minuten beinhalten. Allerdings ist Anwesenheit nur für die Seminare verpflichtend – das bedeutet, dass der taktische Student seine Arbeitswoche von Montag 10.00 Uhr bis Montag 13.00 Uhr legen kann. Ein Fitnessstudio befindet sich übrigens auch direkt auf dem Campus.
Mit den Mitbewohnern aus aller Welt kann man da allerhand unternehmen. Zum Beispiel in den nahe gelegenen Highlands wandern oder durch das beschauliche Stirling flanieren – also wenn einem der Nieselregen nichts ausmacht.
Edinburgh ist sehr zu empfehlen, vor allem wenn man es schafft, den ausgetretenen Touripfaden zu entkommen und sich plötzlich in einem leicht schmuddeligen Pub wiederfindet, der ein schottisches Ale serviert, das der gemeine Europäer gar nicht als Bier zu identifizieren vermag.
Wer den dauer-fotografierenden Horden allerdings konsequent entfliehen möchte, sollte in die Arbeiterstadt Glasgow fahren und ohne Stadtplan herum flanieren – der Charme erschließt sich langsam, aber nachhaltig.
Was man getrost weglassen kann sind Touren zum sagenumwogenen Loch Ness. Nessy gibt es nicht, dafür einen derartigen Tümpel so gut wie überall – selbst auf dem Campus.
Stirling selbst hält zwei „Discos“ und ein paar Pubs bereit. Was zuerst langweilig wirkt, entwickelt großartige Sympathiewerte, wenn man nach dem zweiten Besuch tatsächlich wiedererkannt wird – Kleinstadt in Schottland halt.
Und wenn der Nieselregen mal zu nervtötend werden sollte, wohnt man immer noch in einem Riesenhaus mit anderen Studenten. Tesco liefert Essen und Getränke ins Haus und dank proaktiver Gruppendynamik standen recht schnell zwei Spielekonsolen oder bei Bedarf 50 Partygäste in unserem Wohnzimmer.
Das Auslandssemester mag weniger instagram-tauglich sein, dafür ist der Charme eigen und echt.

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